Die dunkle Nacht der Seele

Die dunkle Nacht der Seele – ein wie es scheint universelles Phänomen

Die erste bekannte Beschreibung dieses Phänomens, das heute zumeist mit Depression gleichgesetzt wird, geht zurück auf den im 16. Jahrhundert lebenden spanischen Karmeliter-Mönch „Johannes vom Kreuz“ (Juan de la Cruz; geboren als Juan de Yepes y Álvare), der diese sehr persönliche Erfahrung in Form eines Gedichts mit erläuternden Kommentaren niedergeschrieben hat. Hiervon gibt es inzwischen Übersetzungen in die meisten zeitgenössischen Sprachen und es wurde in der zeitgenössischen Literatur an vielen Stellen als Referenz herangezogen.

Was wir heute „Depressionen“ nennen, stellt nach meiner Erfahrung eine multi-faktorelle Herausforderung mit biologischen und chemischen, also den Körper betreffenden, psychologischen (Gedanken- und Verhaltensmuster), also unseren Verstand und unsere Persönlichkeit betreffend, und eben auch seelisch-spirituellen Komponenten dar. Während die neurobiologischen und verhaltensbezogenen Komponenten umfänglich vor allem durch pharmazeutische und psychotherapeutische Angebote adressiert werden, verbleibt ein Teilbereich, der gern als „therapieresistent“, manchmal vielleicht auch als „endogen“ bezeichnet wird.

Was, wenn diese Bezeichnungen zwar in gewisser Weise korrekt sind, jedoch eher darauf hindeuten, dass sowohl die bisherige Sichtweise auf den Themenkreis „Depression“ – und damit auch die „klassischen“ Therapieangebote – nicht vollständig sind? Während jede/r Einzelne von uns eben gerade vollständig ist und „die Mittel an Board“ hat, um diesen, vielfach „noch im Dunkeln liegenden“ Teilbereich selbst erfolgreich bewältigen zu können, wenn wir nur wüssten, wie?

Wenn also die Ursache für manche Depressionen tatsächlich in uns selbst liegt, also „endogen“ ist und somit mit allen bisherigen herkömmlichen Therapieansätzen nicht behandelbar ist?

Johannes vom Kreuz hat in einer ganz anderen Zeit und unter ganz anderen Umständen als heute seine eigene Antwort gefunden. Und diese ist auch für mich hier und heute nach wie vor stimmig, denn auch meine eigene Erfahrung hat sich ähnlich gestaltet. Genau wie der Karmeliter-Mönch im 16. Jahrhundert, musste auch ich meine Antwort selbst und in mir finden.
Allerdings waren mir schon einige Menschen auf diesem Weg vorangegangen und ich konnte meine eigenen Erfahrungen mit der ihren abgleichen, was ich als sehr hilfreich empfunden habe. Denn so wusste ich, dass ich nicht allein in dieser Erfahrung bin, dass also mit mir selbst „nichts falsch“ war, sondern mich schlicht auf einem mir noch unbekannten Weg befand.

Auch unsere moderne Wissenschaft hat durchaus ein eigenes Bild hierzu, sie nennt es den „Overview-Effekt“, das Bewusstsein, Teil eines größeren Ganzen zu sein, erstmals beschrieben im Zusammenhang mit den entsprechenden Erfahrungen von Astronauten der Weltraumfahrt.

Und dieses Bewusstsein beinhaltet auch, zu wissen, nicht nur „irgendein geduldeter“ Teil zu sein, sondern ein Teil mit einer ganz bestimmten Aufgabe, einem ganz bestimmten Grund für die eigene Existenz. Den es zu für jede/n von uns zu entdecken gilt, der jedoch im Außen, in unserer äußeren Welt, nicht zu finden ist, sondern nur tief in uns selbst.

An dem Ort in uns selbst, der uns mit allem anderen Leben verbindet und an dem es keine Konkurrenz, sondern nur noch ein friedvolles Miteinander gibt. Und im vollen Bewusstsein, dass das Ganze immer viel mehr ist als die Summe seiner Teile. Es ist dieser Ort, den wir zumeist als unsere Seele bezeichnen.

Und so scheint uns die „dunkle Nacht der Seele“ auf uns allein zurückzuwerfen, um unsere ganz eigenen Antworten auf die tiefsten Fragen unserer eigenen Existenz zu finden.

Und auch wenn nur wir selbst diese Antworten in uns selbst finden können, so ist eine weitere gute Nachricht, dass wir dies nicht allein tun müssen. Die Zahl der Therapeuten, Coaches und anderen Seelsorger, die diesen Weg für sich selbst bereits gegangen sind u/o sich selbst auf diesem Weg befinden, steigt fortwährend und steht bereit jede/n, die/er unterstützende Hilfe annehmen möchte, liebevoll zu begleiten.

Geben wir einander die Möglichkeiten, miteinander in uns bisher unbekannten Bereichen zu wachsen!