Gedankensplitter – zu dem was ist

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Krieg – dieses Wort hatte ich im Kopf, als ich heute aufwachte. Und den Satz „Nicht nach innen verlegen!“. Dabei ein sehr bedrückendes Gefühl im Magen.

Langsam weiter „zu mir kommend“ stellte ich mir die Frage, was dies mir nun zeigen könnte.
Ja, dieses bedrückende, doch auch vertraute Gefühl war – völlige Hilflosigkeit.
Ich spürte eine tiefe Hilflosigkeit und zugleich einen ausgeprägten inneren Widerstand gegen dieses Gefühl.

Nun geht es ja immer darum ein solches Gefühl auch zuzulassen, es wirklich aufsteigen zu lassen, wenn wir uns in einer sicheren Umgebung befinden und uns von unbewussten Einflüssen auf unser Verhalten befreien möchten. Denn sie zeigen uns immer den Weg zu den Schatten unserer eigenen und auch kollektiven Vergangenheit, die wir bisher noch nicht vollständig verarbeitet haben.

Situationen also aus meiner Kindheit, in denen ich mich nicht sicher und völlig hilflos fühlte.
Situationen, in denen sich die unvorstellbaren Kriegserlebnisse meiner Eltern und Großeltern widerspiegelten. Und was es sonst noch so alles geben mag.

Die lange in mir getragene „Gewissheit“, während meines Lebens solche Situationen – wenn auch nur indirekt – nicht miterleben zu müssen, es gibt sie nicht, sie war immer nur eine Illusion. >>Autsch<<  

Wie schaffe ich es nun, mein Vertrauen ins Leben nicht zu verlieren – ohne andererseits in sogenannte „toxische Positivität“ zu verfallen? Also voll „funktionsfähig“ zu bleiben, ohne die Verbindung zu mir selbst und zur Realität zu verlieren?

Mit dieser Frage habe mir eine sprichwörtliche Atempause gegönnt. In der ich noch liegen blieb, tief und bewusst atmend und in meinen Körper spürend und den „Tagesplan“ für heute erst einmal loslassend. Dies hier war jetzt einfach wichtiger, die Rückkehr meiner überwunden geglaubten Autoimmunerkrankung hat es mir deutlich gemacht.

Langsam und allmählich löste sich zunächst der innere Widerstand – mir wurde bewusst, hier war erneut eine Emotion aus meiner Kindheit, eine offensichtlich sehr tiefliegende, dabei aufzusteigen. Dies einfach beobachtend und weiter tief und gleichmäßig atmend konnte ich schließlich das Gefühl der Hilflosigkeit als real im Hier und Jetzt annehmen.

Ja, in Bezug auf die aktuelle Situation nicht nur in der Ukraine und auch zahlreichen anderen Ländern bin ich überwiegend hilflos. Doch nicht in Bezug darauf, wie sich meine direkte Lebensrealität gestaltet.

Wer schon einmal mit einer Autoimmunerkrankung zu tun hatte, weiß, dass diesen gewöhnlich internalisierte Konflikte zugrunde liegen. Toxische Friedfertigkeit sozusagen, bei der wir bei Konflikten im Außen oftmals zulange keine Grenzen setzen und so Energien in uns aufnehmen, die uns hernach selbst in eine Überforderungssituation bringen bzw. sich in körperlichen Symptomen äußern.

Es geht also darum, dass wir gesunde Aggression leben, indem wir rechtzeitig Grenzen setzen. Was manchmal allerdings nur in unserem eigenen Inneren möglich zu sein scheint – immer dort, wo andere Menschen versuchen, ihre eigenen inneren Konflikte dadurch zu lösen, indem sie sie ungebremst im Außen und anderen Menschen gegenüber ausleben.

Lassen wir uns dadurch nicht verleiten, selbst ebenfalls in ein solch unbewusstes Verhalten zu verfallen. Indem wir z.B. zu lange und zu weitgehend auf die Probleme anderer Menschen Rücksicht nehmen mit dem Ergebnis, dass wir uns schließlich vielleicht nicht einmal mehr selbst helfen können.

Suchen wir also unsere Antworten dort, wo sie für uns immer zu finden sind: tief in uns selbst. Und seien wir dankbar, wenn wir selbst aktuell nicht in einen kriegerischen Konflikt einbezogen sind.

Und seien wir einander und auch uns selbst immer wieder wohlmeinende Spiegel, immer da, wo es notwendig ist, einander Grenzen aufzuzeigen. Wo Kommunikation funktioniert, kann dies oft sogar ohne Worte geschehen. Gestehen wir uns selbst und auch anderen Schwächen zu, doch erlauben wir weder uns selbst noch anderen (vermeintliche) Schwächen als Angriffspunkte zu nutzen.

Gehen wir also achtsam mit uns selbst und anderen um und treten bewusst heraus aus diesem so destruktiven „Spiel der Erwachsenen“, auch „Opfer-Täter-Retter Dynamik“ genannt. Was gerade jetzt, wenn wir mit offenen Augen schauen, nahezu überall zu beobachten ist.

Doch wir haben die Wahl. Ja, die meisten von uns sind mit der aktuellen Lage überfordert – geben wir also uns selbst und auch gegenseitig den Raum, dies wahrzunehmen und versuchen wir nicht, dieses ungute Gefühl, diese tiefe Unsicherheit durch „hektische Betriebsamkeit“ einfach zu überdecken. Gehen wir lieber sprichwörtlich „in uns“ – und finden schließlich so zu uns selbst zurück. Und zu all den positiven Lebensimpulsen in uns.

Pflegen wir diese, lassen wir uns diese nicht nehmen, sondern geben wir ihnen bewusst immer wieder immer mehr Raum in unserem Inneren. Indem wir Dinge tun, die unserem Körper, unserem Geist und unserer Seele guttun – ohne zugleich die Grenzen anderer zu verletzen.

Für mich selbst sind dies zur Zeit vor Allem mehr Schlaf als gewöhnlich um all die besonderen Herausforderungen der aktuellen Zeit wirklich verarbeiten zu können.
Meditation – für manche mag Beten hilfreicher sein -, ruhige, ausgleichende Bewegung, Verbindung mit der Natur, immer wieder ganz bewusstes, tiefes Durchatmen, gesunde Ernährung und ausreichende Wasserzufuhr, wie auch die Zufuhr negativ geladener Ionen.
Letzteres die einzige Form von „Negativität“, die ich ganz bewusst – weil lebens-not-wendig – in meinem System aufnehmen möchte.

Alle anderen Negativitäten, die mir begegnen, verwende ich dazu, in mir noch bestehende Resonanzen, die mich unbewusst, d.h. automatisch reagieren lassen wollen, anzuschauen und auch aufzulösen. So gelingt es mir, meine Energie mehr und mehr bei mir zu halten und not-wendige Grenzen, die im Außen zur Zeit oft gar nicht wahrgenommen bzw. beachtet werden, nach innen zu verlagern.
Ich öffne so mein eigenes Inneres immer mehr für mich selbst und das Leben in mir – anstelle mich im Außen in unnütze Kämpfe verwickeln zu lassen u/o Mauern aufzubauen.

Denn nur so kann ich auch hilfreich für andere da sein – anstelle zu versuchen, eigene unbewusste Konflikte in oder an anderen zu heilen.

Lesetipps:           Viktor E. Frankl, …trotzdem Ja zum Leben sagen

                               Gregg Braden, Verlorene Geheimnisse des Betens