Innere und Äußere Welten

Innere und Äußere Welten – 1. Die Landkarte unserer inneren Realität

Warum fällt es uns oft so schwer, zu verstehen oder zu „verdauen“ was in unserer äußeren Welt geschieht?

Warum hadern wir oft mit uns selbst, wenn wir mit einer äußeren Realität konfrontiert werden, die uns zwar nicht direkt persönlich betrifft, weil sie z.B. weit weg von unserem Wohnort geschieht, uns aber dennoch tief berührt, vielleicht sogar in der Weise, dass wir einen tiefen Schmerz in uns spüren?

Natürlich gibt es viele mögliche Gründe dafür und Mitgefühl ist einer und der wohl wichtigste von ihnen.

Doch heute möchte ich einen bestimmten Grund betrachten, der in mir durch das, was in der Welt gerade geschieht, berührt wird. Diese Resonanz inspiriert mich zum Thema Wahrnehmung zu schreiben.

Wir alle sind ziemlich vertraut mit Karten unserer “äußeren Welt”, die uns die Strukturen und auch Grenzen auf unserem Planeten zeigen. Und wir sind uns bewusst, dass die Grenzen auf unserem Planeten von Menschen gemacht wurden und damit einen Rahmen für unsere äußere Realität setzen, die wir miteinander und mit den meisten Menschen auf dem Planeten teilen.

Was wäre nun, wenn es einen entsprechenden Rahmen auch in uns selbst gäbe, eine Art innere Welt, unsere ganz eigene innere Realität?

Die indigenen Menschen unseres Planeten und ihre Schamanen sprechen tatsächlich von einer “inneren Landkarte der Realität” und zwar – um auch dies mit ihren Worten zu sagen – “seit Anbeginn der Zeit”.

Ja und, fragen Sie sich vielleicht? Nun, dies könnte ein sehr wertvoller Schlüssel zum Verständnis dessen sein, was uns oft auf den ersten Blick wenig verständlich erscheint.

Lassen Sie mich das so erklären: Es ist diese innere Struktur, die sich aus all unseren eigenen Erfahrungen, Überzeugungen, Gedanken, Emotionen und Gefühlen zusammensetzt, die wir in unserem eigenen Leben gemacht haben, welche die Art und Weise prägt, wie wir die äußere Welt wahrnehmen und dann auch dementsprechend handeln.

Es ist nicht wichtig, wie wir diese Struktur oder dieses System für uns selbst bezeichnen oder uns vorstellen, die Hauptsache ist, dass wir uns dieser eigenen inneren Welt selbst bewusst sind.
Ich persönlich liebe das Bild einer inneren Landkarte, die mir hilft, mich in der äußeren Welt auf meine eigene und einzigartige Weise zurechtzufinden.

Diese innere Landkarte bestimmt also z.B., was sich für uns vertraut oder auch fremd anfühlt und was wir brauchen, um uns sicher zu fühlen oder wann wir uns unsicher, vielleicht sogar bedroht, fühlen.

Dies ist kein bewusster Prozess, es geschieht ganz “automatisch”, entweder auf einer vorbewussten oder unbewussten Ebene. Was durchaus Sinn macht, da es uns einfach unmöglich wäre, immer und in jeder Situation zuerst über solche grundlegenden, aber entscheidenden Unterschiede nachzudenken. Eine bewusste Entscheidung wäre an dieser Stelle also nicht von Vorteil.

Wenn wir hingegen neue Denkmodelle oder Verhaltensmuster lernen möchten, müssen wir bewusste Entscheidungen treffen, um dann auch das Unbewusste unseren Wünschen entsprechend umprogrammieren zu können.

Mit anderen Worten: Wann immer uns etwas ungewohnt oder beängstigend erscheint, sollten wir uns zunächst fragen, woher dieser Eindruck kommt und ob er real, d. h. für unsere gegenwärtige Situation im hier und jetzt relevant, ist. Denn nur dann würde es Sinn machen, entsprechend zu handeln, nicht wahr?

Und wenn nicht, würden wir uns entschließen, etwas tiefer in die Materie einzusteigen, um ein neues Verständnis zu erlangen, d.h. zu lernen und damit unser ” Erfahrungsspektrum ” zu erweitern. Dies würde dann – nach einer ausreichenden Anzahl von Wiederholungen, sprich ähnlichen Situationen – in unserem Unterbewusstsein als neues Paradigma, als eine neue “Blaupause” für unsere automatischen Reaktionen verankert werden.

Zu Beginn unserer Reise zur Neujustierung unserer inneren Landkarte sind wir jedoch vielleicht gar nicht in der Lage, bewusst hierüber nachzudenken. Denn unser Nervensystem ist sozusagen “fest verdrahtet” auf Überleben und bringt uns automatisch in eine Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktion, wenn uns irgendein Ereignis überwältigt. Und kann uns dann in Konflikte, Rückzug, Unterwerfung, wo wir eigentlich nicht “nachgeben” wollten, oder gar einen Zusammenbruch laufen lassen.

Unsere Überwältigung ist ein klares Zeichen dafür, dass unsere “innere Landkarte” noch nicht genügend Konzepte zum Verständnis und auch Werkzeuge enthält, mit solchen Situationen bewusster und auch harmonischer umgehen können. Für uns selbst und auch für unser Umfeld, d.h. unsere Beziehungen.

Wir brauchen dann neue Erfahrungen, um unser Handlungsspektrum zu erweitern bzw. zu verändern, und möglicherweise brauchen wir anfangs Unterstützung von außen, um zu lernen, wie wir unser Nervensystem im Alltag wirkungsvoll beruhigen können.
Und vielleicht besteht unsere erste bewusste Entscheidung auf unserer persönlichen Reise zu einem Leben mit mehr Erfüllung und weniger Unsicherheit darin, um eine solche Unterstützung zu bitten. Es muss nicht immer professionelle Hilfe sein, wie durch Coaching oder Therapie. Wenn wir liebevolle und vertrauensvolle Beziehungen haben, können wir uns auch gegenseitig helfen, vor allem, wenn einer von uns bereits in der Lage ist, seine eigenen erfolgreichen Erfahrungen zu teilen. Dann können wir diese Erfahrung vielleicht sogar auch in unser gemeinsames Umfeld, unsere gemeinsame Welt, einfließen lassen.

Und wenn wir noch weiter gehen wollen, stehen uns weitere Werkzeuge zur Verfügung, mit denen wir neue Erfahrungen in unsere eigene innere Welt integrieren und schließlich beginnen können, unser aller äußere Welt mitzugestalten – wenn wir danach fragen.

Was wird Ihr erster Schritt sein, um Ihre innere Welt neu zu gestalten, bevor oder wenn Sie Ihrer nächsten Herausforderung begegnen?